Wird behauptet – stimmt trotzdem nicht!

Blogartikel "Wird behauptet - stimmt trotzdem nicht!"
Immer noch wird behauptet wird, dass 55% der Kommunikation zwischen zwei Menschen die Körpersprache ausmacht. 38% sollen über Ton und Stimme transportiert werden und 7% über den Inhalt. So wird die Studie des amerikanischen Psychologen Prof. Albert Mehrabian – bald 50 Jahre alt – nach wie vor hartnäckig falsch interpretiert. Nonverbale Kommunikation wichtiger als Inhalt?
Meine Antwort: NEIN – ein dickes fettes Nein! Dennoch: wie Sie etwas sagen, entscheidet darüber, ob das, was Sie sagen, gehört wird, ob Sie überzeugen! Warum das so ist, möchte ich Ihnen in diesem Blogartikel erklären, um Ihnen dann anschließend 5 Tipps für Ihren nächsten Stimmauftritt zu geben.

Ein Schiff wird kommen

Stellen Sie sich folgendes Bild vor: ein Schiff hat eine Ladung von vielen Containern, gefüllt mit wertvollen Goldbarren. Dieses Gold soll von Rotterdam nach Marseille gebracht werden. Hätte das Schiff keine Ladung, müsste es die Fahrt nicht antreten. Jetzt, wo es so wertvolles Gut an Bord hat, ist es wichtig, dass das Schiff in gutem Zustand und der Kapitän so erfahren ist, dass er die Ladung durch das vom Sturm aufgewühlte Meer sicher nach Marseille bringt. Dort kann dann die Ladung gelöscht werden.

Bei der Kommunikation ist es nicht anders: unsere Ladung ist unser Inhalt, unsere Fachkompetenz, unser Herzensanliegen ist unsere Message. Das Schiff, welches die Ladung, also das, was wir sagen wollen, von Hafen A (Sprecher) zu Hafen B (Zuhörer oder Gesprächspartner) transportiert, ist gebaut aus Körpersprache, Stimme und Sprechweise. Um die Botschaft Ihrer Worte, also Ihre „Ladung“ sicher an den Mann zu bringen, braucht es ein gutes „Schiff“: eindeutige Körpersprache, klangvolle Stimme, lebendige Sprechweise. Schlechte Schiffe können die Ladung verrutschen lassen oder beschädigen. So sabotieren in der Kommunikation sehr oft Körpersprache und Stimme die Botschaft unserer Worte, statt diese sicher in den Hafen zu bringen.

Deshalb lohnt sich ein „Werftbesuch“ – gerade erfinde ich eine neue lustige Berufsbezeichnung für mich: Inhaberin einer „Stimmwerft“. Dort wird geprüft, ob Ihre Körpersprache kongruent zu dem Gesagten ist, ob sie die Botschaft Ihrer Worte stützt und stärkt. Dann werden Stimme und Sprechweise so „gerichtet“, dass sie Ihre Inhalte sicher transportieren. Auf dass alle hören, was Sie sagen!

Auf den Inhalt kommt es an

Das ist klar: interessanter Inhalt, auf den Punkt gebracht, mit konkreten Beispielen, etc. Ohne Ladung, ohne ”Content” braucht das Schiff gar nicht erst den Hafen verlassen. Meine Klienten verfügen in der Regel über sehr gute Inhalte, manchmal etwas verquer ausgedrückt, doch stets gehaltvoll im Kern. Das ist bei Ihnen genauso. Da bin ich mir sicher. Doch oft schwächen wir unbewusst unsere Inhalte und können deshalb nicht überzeugen. Wodurch kann so etwas passieren?

Wenn Sie z.B. mit durchgedrückten Knien und angespanntem Bauch – also der Körpersprache von Stress und Emotionen – vor einer Gruppe stehen, übertragen Sie dadurch einerseits Ihr Stressmuster auf das Gegenüber. Andrerseits vermitteln Sie auf emotionaler Ebene Distanz und Unsicherheit. Dazu können Fehler bei Stimme und Sprechweise kommen. Das häufigste Problem beim Sprechen, welches unsere Message unverständlich macht, ist der Gebrauch von Bandwurmsätzen – Sprechen ohne Punkt und Komma. Forschungsergebnisse aus der Kommunikationswissenschaft besagen: Bei Satzeinheiten, die länger sind als 8-16 Wörter, also bei Bandwurmsätzen, schaltet das Gegenüber ab. Das ist wie ein zu großer Brocken im Mund, den kann man nicht wirklich kauen, geschweige denn genießen. Wenn dazu eine zu leise oder zu gepresste Stimme kommt, ist Ihr Gegenüber schlicht überfordert – dann muss Ihr Inhalt so prickelnd, so spannend, so wunderbar sein, dass Ihr Gesprächspartner Ihre Schwächen akzeptiert, nur, weil er so begierig auf Ihre Botschaft ist. Sie ahnen, das kommt selten vor!

Deshalb ist es so wichtig, dass Sie als erstes Ihre eigene Sprechweise und den Klang Ihrer Stimme einschätzen lernen. Dazu habe ich bereits einen Blogartikel geschrieben: >>Deine Stimme – Freund oder Feind.

Stimmiges Basiswerkzeug für erfolgreiche Kommunikation

Vor kurzem bekam ich eine Anfrage für einen Vortrag zum Thema „Stimme – das unterschätzte Phänomen“. Doch leider entschied sich der Veranstalter für die Themen Verkaufs- und Konfliktgespräche, Einwandbehandlung und gegen – wie ich finde – das Basisthema Stimme, Körpersprache, Sprechweise. Ich finde das schade, denn alle Kommunikation wird von diesen drei Säulen getragen. Doch das ist den meisten leider nicht bewusst.

Damit Sie immer bewusster mit diesem so essentiellen Basiswerkzeug für Kommunikation umgehen lernen – und das ist das Anliegen meines Blogs, gebe ich Ihnen nun:

Fünf goldene Regeln – Erfolgsfaktor Stimme

Tipp1
1. “Üben Sie nie im Wettkampf!”
Wärmen Sie sich auf!
Wenn sich ein Rennfahrer auf den GrandPrix vorbereitet, muss er auf den verschiedenen Kursen ein „warm up“ fahren. Auch Sie sollten sich vor einer wichtigen Kommunikationssituation auf das Rennen vorbereiten:
  • Imitieren Sie ein paar Mal laut das „Brrrrrrrrrrrummmm“ des Rennwagens.
  • Stellen Sie sich auf ein Bein und legen Sie sich beim „Brrrrrrrrrrrummmm“ in die Kurve. Wechseln Sie das Bein für die andere Kurve!
  • Versuchen Sie es zunächst in einer tiefen Tonlage und wechseln Sie nach und nach in ganz verschiedene Tonhöhen.
  • Danach sprechen Sie mit weit geöffnetem entspannten Mund „Aha!Aha?Ah!“
Tipp2
2. Standpunkte sind hörbar
Eindeutige Körpersprache erzeugt Souveränität!
Sie stehen vor Ihrem Gesprächspartner, Ihrem Team oder vor einer Festtafel, voll freudiger Erwartung, aber auch unsicher, nervös. Ihr Stand verrät es: durchgedrückte Knie, angespannter Po, leicht hochgezogene Schultern. Unbewusst nimmt Ihr Gegenüber Ihre Befindlichkeit wahr. Wenn Sie sich sicher fühlen und souverän wirken wollen, nehmen Sie einen klaren Standpunkt ein: Lockeren Sie bewusst Ihre Knie, entspannen Sie achtsam Ihren Po und verlagern Sie das Gewicht nach vorn auf die Fußballen. Voilà: Sie wirken standfest, kraftvoll und souverän!
Tipp3
3. Sinn braucht Pausen
Überzeugung entsteht in den Sprechpausen!
Ohne Punkt und Komma zu sprechen hilft weder Ihnen noch Ihren Gesprächspartnern. Sie sagen zwar viel, jedoch bleibt nichts hängen. Da hilft auch die schönste Sprechmelodie nicht weiter. Warum? Sinn und Verständnis erschließen sich in den kurzen Pausen zwischen den Phrasen. Gönnen Sie sich und Ihren Zuhörern diese Pausen, denn diese sind sinnstiftend, spannungsgebend und ermöglichen dem Zuhörer, das Gesagte zu verarbeiten. Pausen gelingen wie von selbst, wenn Sie neugierig abwarten, welche Reaktionen auf Ihre Worte folgen.
Tipp4
4. Sprechen Sie wie ein Italiener
Lebendigkeit schafft Energie und Stimmklang!
Wenn zwei Italiener in einer Bar sich wild gestikulierend die letzten Ereignisse erzählen, dann hören Sie kraftvolle wohlklingende Stimmen. Steht ein Sprecher dagegen unbewegt, steif, mit hochgezogenen Schultern vor seinem Publikum, bleibt auch seine Stimme farblos und klangarm. Wenn Sie sich jedoch trauen, zu gestikulieren, mit Händen und Füßen, eben wie ein Italiener zu sprechen, dann kommt Energie in Ihre Stimme, Lebendigkeit in Ihr Sprechen – Sie begeistern!
Tipp5
5. Ohr überlistet Auge
Kontakt herstellen durch Klang.
Jeder Zuhörer möchte sich angesprochen fühlen. Was tun – Blickkontakt halten? Doch, wenn Sie einen Zuhörer anschauen, was ist dann mit den anderen? Eine starke Verbindung zu allen schaffen Sie, wenn Sie die Zuhörer in Ihren „Hörraum“ einladen: Sprechen Sie das erste Wort in den Raum und halten Sie kurz inne. Reagieren Ihre Zuhörer darauf? Halten auch sie inne? Herzlichen Glückwunsch! Dann haben Sie mit dem „magischen 1. Wort“ schon mal einen guten Start hingelegt.
Eva Loschky
Die Autorin

Eva Loschky unterstützt Menschen in Unternehmen für ihre Stimmauftritte, seien es Präsentationen, Reden, Teamsitzungen, Konflikt- oder Mitarbeitergespräche. Sie gibt Workshops und Einzelcoachings, hält interaktive Vorträge, schreibt Bücher. Wenn Sie mehr erfahren wollen, wie Eva Loschky Sie oder Ihr Unternehmen unterstützen kann, dann treten Sie bitte mit uns in Kontakt.

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2 Kommentare. Neuen hinterlassen

Ein klasse Artikel, liebe Eva. Sprechpausen und das bewusste Innehalten schaffen wirklich eine spürbare Energie in einem Gespräch oder Vortrag. Leider vergisst man das immer mal wieder ‚im Eifer des Gefechts‘. Danke für deine werthaltigen Tipps, die es sich lohnt, zu beherzigen.

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Vielen Dank, liebe Sybille, für dieses schöne Feedback! Und herzlichen gruß Eva

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