Gehört PowerPoint auf den Schrottplatz?

Powerpoint
Immer wieder konfrontieren mich meine Klienten im Einzelcoaching mit Präsentationen, die – um es geradeheraus zu sagen – langweilig, textlastig, ja geradezu zuhörerfeindlich sind. Gerade weil nach wie vor so viel Text – oft sogar in 12-Punkt-Schrift – die Folien bestimmt, muss der Zuhörer Informationen gleichzeitig auf schriftlicher und verbaler Ebene verarbeiten, was – wissenschaftlich erwiesen – sehr schwer ist und stark ermüdet.
Verwechseln die Präsentierenden nach wie vor die Folien mit einer Dokumentation? Enthalten die Folien nur deshalb so viel Information, damit sie hinterher als PDF den Teilnehmern zur Verfügung gestellt werden können? Handelt es sich also beim Erstellen der Folien einfach nur um einen Denkfehler in Bezug auf ihre Funktion bei einem Vortrag? Oder gehört die Software PowerPoint, die vor 30 Jahren entwickelt wurde und in den 90er Jahren den Markt eroberte, entsorgt?

Dagegen spricht: Täglich werden weltweit Millionen mit PowerPoint oder anderer Slideware hergestellte Präsentationen vorgetragen! Und ich verdiene einen Teil meines Geldes damit, Präsentationen zu optimieren. Meine Aufgabe im Einzelcoaching ist es unter anderem, Redner und Präsentierende so zu unterstützen, dass sie in ihren Präsentationen überzeugen und begeistern. Dabei liegt der Fokus gemäß meiner Expertise auf Stimme, Auftritt, Präsenz auf dem Sprecher, seiner Stimme, seiner Sprechweise, seiner Körpersprache und der Klarheit seiner Botschaft. Aber was tun, wenn die Folien den mündlichen Vortrag sabotieren?

Handeln! Die Folien „reformieren“! Es ist allerorts inzwischen bekannt, dass nicht immer Folien nötig sind. Flipchart, Tafel und andere Elemente können situationsabhängig viel wirksamer sein. Doch um Alternativen zu Slides geht es in diesem Artikel nicht. Ich möchte Ihnen vielmehr Tipps geben, damit Sie Ihre Präsentationen konkreter aufbauen und mit Präsentations-Tools bewusster, kreativer und zielführender umgehen können.

Sie präsentieren – nicht der Laptop

Machen Sie sich als erstes drei Dinge bewusst und handeln Sie danach:
  1. Bei einer Präsentation steht stets der Mensch – also Sie – mit Ihren Inhalten, Ihrem Anliegen, Ihrer Botschaft im Mittelpunkt und nicht die Leinwand. Auch, wenn diese – wie in den meisten Unternehmen – zentral im Raum installiert ist und damit den Redner an die Wand drückt. Sie können das ändern! Treten Sie immer vor das Rednerpult. Stehen Sie auf, wenn Sie in der Teamrunde sitzen. Suchen Sie den richtigen Platz, wo alle Sie gut sehen können. Pausieren Sie mit den Folien (Taste B auf dem Laptop oder Pausentaste beim Pointer). Halten Sie stets Blickkontakt mit dem Publikum (Nicht auf die Folie starren!).
  2. Die Folien sind niemals Dokumentation oder Wiederholung des gesprochenen Wortes. Falls die Zuhörer eine Dokumentation wünschen, erstellen Sie diese gesondert (z.B. auch durch die Extrafunktion für Text in PowerPoint). Entlasten Sie den Zuhörer und sagen Sie ihm zu Beginn Ihres Vortrags, dass jeder im Anschluss eine detaillierte Dokumentation erhält.
  3. Die Folien helfen, die rechte Gehirnhälfte der Zuhörer zu aktivieren. Das gesprochene Wort, die blanke Information, Zahlen, Daten, Fakten aktivieren die linke Hirnhälfte. Wenn es gelingt, die rechte Hirnhälfte durch Bilder, Geschichten, Emotionen, Empathie, Sinneseindrücke zu wecken, verbindet der Zuhörer beide Gehirnhälften. Dadurch kann sich der Zuhörer das Gesagte besser merken und später erinnern.

Seien Sie kreativ, wenn Sie Ihre Präsentation vorbereiten

Meine Empfehlungen für Ihre Präsentation:
  1. Bereiten Sie Ihre Präsentation ohne Laptop vor. Nehmen Sie Papier, Bleistift oder die Sprachmemofunktion Ihres Handys.
  2. Beantworten Sie folgende Fragen – vielleicht wählen Sie ja dafür die Methode des >>”Fokussprint“.
    Was ist meine wichtigste Aussage?
    Worum geht es?
    Was ist mein Standpunkt?
    Warum ist es wichtig?
    Wer hört mir zu?
    Warum wurde ich als Präsentierende/r ausgewählt?
    Wo steckt mein Herzblut bei dieser Präsentation?
  3. Legen Sie Ihre Kernaussagen unmissverständlich fest und bringen Sie diese auf den Punkt! Kernaussagen müssen mehrmals während einer Präsentation in Variationen wiederholt werden, wenn man Sie verankern möchte.
  4. Überlegen Sie: wenn sich Ihre Zuhörer nur an ein einziges Detail Ihrer Präsentation erinnern, welches müsste es sein?
  5. Finden Sie einen Knüller, einen Earcatcher als Einstieg. Entweder wählen Sie dafür z.B. einen sehr persönlichen Einstieg, eine provokative These oder eine Verheißung.
  6. Entwickeln Sie eine Geschichte, die perfekt auf Ihre Zielgruppe zugeschnitten ist und das Thema sicher und bildhaft transportiert. Nehmen Sie dafür beeindruckende Beispiele aus Ihrem Alltag.
  7. Gliedern Sie Ihre Präsentation wie die Folge eines Menüs in einem Spitzenrestaurant. Nach jedem „Gang“, den Sie klar benennen („Kressesüppchen mit Schaum vom Krebs“), geben Sie den Zuhörern eine kleine Verschnaufpause zum Verarbeiten, bevor Sie den nächsten „Gang“ servieren.
  8. Erst wenn der Inhalt steht, entwickeln Sie die Folien und die Dokumentation. Man kann auch sagen, erst wenn das Drehbuch stimmt, entwickeln Sie das „Bühnenbild“, welches das Gesagte unterstützt, verdeutlicht und stärkt. Dafür sind PowerPoint oder andere Slideware sehr gut geeignet.

10-20-30 Regel für eine gelungene Präsentation

10 – sie sollte bis zu zehn Folien haben.
20 – sie sollte unter 20 Minuten dauern.
30 – sie sollte in einer 30-Punkt-Schriftgröße gehalten sein.

Wenn Sie es schaffen, nicht einfach nur Wissen zu vermitteln, sondern Ihren Informationen Bedeutung und Sinn zu geben und selbst dabei Spaß zu haben, dann erreichen Sie Ihr Ziel und beglücken Ihre Zuhörer!

Generalprobe – mein wichtigster Rat

Üben Sie Ihre Präsentation mindestens einmal vollständig mit lauter Stimme, kompletter Technik und wenn möglich im Präsentationsraum. Auf keiner Bühne dieser Welt gibt es eine Premiere ohne Generalprobe! Und falls Sie sich weiter steigern wollen, befolgen Sie die Schritte, die ich im >>Blogartikel “Ihre Stimme – Freund oder Feind” beschreibe.

Gehört PowerPoint auf den Schrottplatz?

Meine klare Antwort: nein. Doch es ist höchste Zeit für immer zu begreifen, dass verbal vorgetragene Informationen nicht noch in schriftlicher Form “an die Wand geklatscht” gehören oder das Publikum mit vollgeschriebenen Folien zu quälen. Dafür gibt es die Dokumentation zum Nachlesen. Der Einsatz von guten Folien lockt hingegen Ihr eigenes kreatives Potenzial und schafft die Möglichkeit, sowohl die linke als auch die rechte Gehirnhälfte beim Publikum zu aktivieren.

Mein Literaturtipp

ZEN oder die Kunst der Präsentation
Garr Reynolds:
ZEN oder die Kunst der Präsentation.
Mit einfachen Ideen gestalten und präsentieren

Addison-Wesley-Verlag, ISBN 978-3-8273-2708-6

Abschließende Frage

Ich wüsste zu gerne, wie Sie diese Frage „Gehört PowerPoint auf den Schrottplatz?“ beantworten, was Ihre Erfahrungen mit Präsentationen sind, was Sie sich für Ihre eigene gelungene Präsentation wünschen oder für wirkungsvolle Präsentationen von anderen. Hinterlassen Sie einen Kommentar – ich antworte.

Herzlichen Gruß

Eva Loschky

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