Die Relevanz von Stimmtraining in deutschen mittelständischen und großen Wirtschaftsunternehmen

Bachelorteam Nijmegen: Nelly Bühnen, Anna Jansen, Franziska Veelemann, Carolin Schmitz
Vor Kurzem bekam ich folgende Anfrage eines Bachelorteams aus Nijmegen (s. Foto vlnr: Nelly Bühnen, Anna Jansen, Franziska Veelemann, Carolin Schmitz).
„Sehr geehrte Frau Loschky, wir sind vier Studentinnen des Studienganges Logopädie der Hochschule van Arnhem en Nijmegen und verfassen zurzeit unsere Bachelorarbeit. Thema dieser Arbeit ist die ‚Relevanz von Stimmtraining in deutschen mittelständischen und großen Wirtschaftsunternehmen‘. Um dies evident zu untersuchen, führen wir eine große Umfrage und Experteninterviews durch. Während unserer intensiven Recherche sind wir sofort auf Sie und Ihre sehr ansprechende Homepage aufmerksam geworden. Wir sind auf der Suche nach Stimmtrainern, die aber ebenfalls ausgebildete Logopäden sind, sodass wir in unserer Arbeit einen Transfer zu unserem Berufsfeld ziehen können. Daher würden wir Sie gerne fragen, ob Sie Interesse haben, ein Teil unserer Studie zu werden und uns mit einem telefonischen Interview von etwa 10 Fragen in unserer Arbeit unterstützen würden.“

Ich sagte spontan zu, worauf ein Telefoninterview mit zwei sehr erfrischenden und kompetenten Studentinnen folgte. Als ich die Transkription des Interviews absegnen sollte, fand ich einige Fragestellungen so interessant, dass ich daraus einen Blogartikel gemacht habe. Ich habe zehn Fragen für Sie ausgewählt. Ich bin gespannt, welche Frage Sie am meisten interessiert.

  1. Was bedeutet für Sie der Begriff Stimme?
  2. Was zählt für Sie zum Bereich der Stimme?
  3. Wie definieren Sie den Begriff Training?
  4. Können Sie den Unterschied verdeutlichen zwischen Training und Therapie?
  5. Was hat Sie dazu bewogen, als Trainerin tätig zu werden?
  6. Wer bucht bei Ihnen ein Stimmtraining?
  7. Welchen Bereichen eines Unternehmens würden Sie ein Stimmtraining besonders empfehlen und warum?
  8. Mit welchen Erwartungen und Zielen treten Kunden an Sie heran, wenn sie ein Stimmtraining buchen?
  9. Wie hoch schätzen Sie die Relevanz eines Stimmtraining ein?
  10. Der Begriff des Stimmtrainers ist nicht geschützt. Wie stehen Sie dazu?

1. Was bedeutet für Sie der Begriff Stimme?

„Die Stimme ist mein wichtigstes Ausdrucksmittel, um das, was ich denke bzw. das, was ich im Kopf habe und um das, was meine Herzensangelegenheit ist, also meine Botschaft, in die Welt tragen zu können. Die Stimme ist mein wichtigstes Ausdrucksmittel, um Innenwelt und Außenwelt zu verbinden.“

2. Was zählt für Sie zum Bereich der Stimme?

„Zur Stimme gehört zum einen der Stimmklang, d.h. wie klingt meine Stimme eigentlich? Die Stimme ist gleichzeitig ganz eng gekoppelt mit meiner Sprechweise. Also, was nützt mir eine schöne Stimme, wenn ich ohne Punkt und Komma rede? Dann sind Stimme und Sprechweise immer gekoppelt mit der Körpersprache. Wenn mein Körper und meine Worte etwas Gegensätzliches sagen und mein Körper so die Botschaft meiner Worte sabotiert, dann nützt mir wiederum die schönste Stimme nichts.“

3. Wie definieren Sie den Begriff Training?

„In meinem Stimmtraining schaffe ich zuallererst Bewusstsein für Stimme, Sprechweise und Körpersprache. Sprechen läuft ja unbewusst. Wir lernen das Sprechen als Kleinkinder über Imitation unserer Hauptbezugspersonen und übernehmen dabei auch deren Sprechgewohnheiten. Wir reden dann unter Umständen den Rest unseres Lebens einfach so, wie uns der Schnabel gewachsen ist und wundern uns, wenn wir nicht überzeugen. Ich schaffe für die Teilnehmer als erstes Bewusstsein für das eigene Sprechen und den Stimmauftritt. Ich lasse meine Teilnehmer Reden halten und wir analysieren anschließend gemeinsam die Audioaufnahme. Gemeinsam entdecken wir die Stärken und das Potenzial, um dann herauszufinden, wo der meiste Trainingsbedarf liegt und was verändert werden soll, um den Stimmauftritt zu optimieren, das Potenzial leuchten zu lassen und letztendlich die Stimme zum Erblühen zu bringen.

Das ´Handwerkszeug´ oder besser gesagt ´Körperwerkzeug´ zu diesem Training entwickle ich – auf der Analyse aufbauend – maßgeschneidert, individuell auf den Einzelnen oder die Gruppe zugeschnitten. Dazu gebe ich ganz gezielt Wissen über die Physiologie der Stimme und Theorie zum Thema: Wie hängt was zusammen (Stimme, Körper, Atem)? Ich erkläre genau meine Methode (die Loschky-Methode®): Wie arbeiten die Muskulatur von Zwerchfell, Beckenboden und der Muskulus transversus abdominus und die inneren Rückenmuskeln zusammen? Wie verändern Emotionen, Druck und Stress das Atem-, Stimm- und Körpermuster? Wie können wir gegensteuern? Wie erreichen wir Souveränität und Überzeugungskraft? Ich arbeite stets auf körperlicher Ebene, setze körperliche Anker. Ergänzend dazu nutze ich Elemente der Gesprächstherapie wie z.B. Methoden des wertschätzenden Zuhörens nach C. Rogers, denn ich habe auch eine Ausbildung in klientenzentrierter Gesprächsführung und bin Kinderspieltherapeutin. Ziel des Trainings ist zum einen stets die Optimierung des Stimmauftritts (sei es die Rede, die Präsentation, das Gespräch im Team oder mit dem Kunden, das Telefonat) und gleichzeitig die Verbesserung des Kommunikationsverhaltens.

Zusammengefasst ist meine Definition von Training: Training heißt für mich Bewusstmachung von Alltagsmustern, neue Erfahrung sammeln, Üben, Veränderung und Verbesserung.“

4. Können Sie den Unterschied verdeutlichen zwischen Training und Therapie?

„Im Training arbeite ich sehr komprimiert und effizient für den unmittelbaren Alltag und sage sogar: »Wenn Sie nicht merken, dass das, was wir heute trainieren, morgen Verbesserung bringt, bekommen Sie das Geld von mir zurück.« In der Therapie nehme ich mir mehr Zeit, z.B. auf Blockaden wie Ängste, schlechte Stimmauftrittserfahrungen, auf persönliche Hintergründe einzugehen und begleite meinen Klienten über einen längeren Zeitraum.“

5. Was hat Sie dazu bewogen, als Trainerin tätig zu werden?

„Meine Unzufriedenheit mit unserem Gesundheitssystem. Ich habe mich 1987 mit einer logopädischen Praxis selbständig gemacht und habe damals in D-Mark in etwa so viel verdient wie meine Kollegen heute in Euro. Damals hatte ich im Gegensatz zu heute noch wirklich freie Hand: Ich konnte z.B. die Therapiezeit selbst wählen in Absprache mit dem Arzt. Es gab weniger Vorschriften. Der Verwaltungsaufwand stieg von Jahr zu Jahr. Wenn ein Arzt z.B. das Rezept falsch ausstellt, dann bekomme ich als Logopädin mein Geld für die geleisteten Therapien nicht. Ich muss also bei allen Rezepten die Richtigkeit der Abrechnungsziffer kontrollieren, die Klienten bei Fehlern mit dem Rezept zurück zum Arzt schicken usw. Gleichzeitig wurde ich verpflichtet, 1x pro Woche zu behandeln   auch wenn es therapeutisch nicht sinnvoll war. All dies und viele ´Schikanen´ mehr widersprachen meinem Therapiekonzept, sodass eine Zusammenarbeit mit den Krankenkassen nicht mehr sinnvoll war. Als ich 2005 mein erstes Buch veröffentlicht habe, wurde ich bekannt, hatte viel Presse und Anfragen. Ab da bin ich sozusagen Freelancer und arbeite da, wo man mich ruft, halte Vorträge, Seminare oder gebe Coachings.“

6. Wer bucht bei Ihnen ein Stimmtraining?

„Es buchen hauptsächlich Menschen ein Training, die vor Gruppen reden müssen und sich dabei unwohl fühlen: Sei es das Reden in einer Teamsitzung, die Kundenberatung oder das Mitarbeitergespräch. Sei es am Telefon oder im persönlichen Kontakt. Es buchen Menschen, die Reden vor großem Publikum oder Präsentationen halten müssen. Da kommen Doktoranden, die ihre Doktorarbeit verteidigen müssen. Oder der Chef eines Unternehmens sagt: »Eine Mitarbeiterin von uns hat eine sehr hohe Fachkompetenz, ich vertraue ihr, aber ihre Außenwirkung ist so katastrophal, weil sie so unsicher ist. Können Sie da etwas machen, um Ihre Außenwirkung zu verbessern?« Wenn Trainings für jüngere Mitarbeiter angefragt werden, geht es auch immer darum, dass sich diese Menschen klar positionieren, Standfestigkeit zeigen und überzeugen können. In den von Männern dominierten MINT-Berufen werde ich vor allem für Frauen gebucht, damit diese ein sicheres „Standing“ erwerben und lernen, sich stimmlich durchzusetzen und gehört zu werden.“

7. Welchen Bereichen eines Unternehmens würden Sie ein Stimmtraining besonders empfehlen und warum?

„Ich würde jedem Menschen ein Stimmtraining empfehlen, der in seinem Beruf sehr viel kommunizieren muss. Und: 80% aller Berufe sind Kommunikationsberufe. Ich finde, der Erwerb von Kompetenz in den Bereichen Stimme, Sprechen, Körpersprache und wertschätzender Kommunikation ist ein Basic-Tool, das jeder erlernen sollte, der beruflich viel kommuniziert. Der Mitarbeiter eines Callcenters, eine Officemanagerin, ein Abteilungsleiter und eine Führungskraft – sie alle sind Voice-Worker par excellence, d.h. Leistungssportler in Bezug auf die Stimme. Leistungssportler trainieren, um erfolgreich zu sein und ´Stimmsportler´? Alle, die Leistungssport mit der Stimme betreiben, weil sie viel kommunizieren, präsentieren und reden, brauchen meines Erachtens – wie jeder Sportler, Sänger, Schauspieler auch – ein Stimmtraining.“

8. Mit welchen Erwartungen und Zielen treten Kunden an Sie heran, wenn sie ein Stimmtraining buchen?

„Die Erwartungen und Wünsche sind individuell sehr unterschiedlich. Die meisten wollen eigentlich unterm Strich, dass sie sich durchsetzen können und gehört werden.“

9. Wie hoch schätzen Sie die Relevanz eines Stimmtraining ein?

„Sehr hoch. Ich würde Stimm-, Rede- und Präsentationstraining schon im Studium integrieren. Denn jeder muss sich selbst bereits in der mündlichen Prüfung und im Bewerbungsgespräch präsentieren können. Jeder braucht Selbstsicherheit, Selbstbewusstsein, Souveränität, wenn er in das Berufsleben eintritt, welches kommunikative Fähigkeiten erfordert.“

10. Der Begriff des Stimmtrainers ist nicht geschützt. Wie stehen Sie dazu?

„Für meinen beruflichen Erfolg ist es sehr gut, dass ich staatlich geprüfte Logopädin bin und lange in diesem Beruf gearbeitet habe. Ich bin von der Ausbildung her klassische Sängerin, habe als Schauspielerin gearbeitet, bin Logopädin, habe selbst wieder Logopäden ausgebildet und gebe Supervision für Logopäden. Ich bin Gesprächs- und Kinderspieltherapeutin, habe viel eigene Therapie- und inzwischen natürlich auch langjährige Berufs- und Lebenserfahrung. Dieser themenzentrierte  „Blumenstrauß“ von Ausbildungen und Berufserfahrung im Bereich Stimme, Rede und Präsentation überzeugt Unternehmen. Die Kompetenz als Stimmexpertin gepaart mit eindruckhinterlassender Persönlichkeit ist für Unternehmen extrem wichtig. Außerdem brauchen alle Unternehmen eine gute Website mit Live-Vortrag-Mitschnitten/ Fernsehauftritten / Presse – was immer man hat – um sich für den Trainer oder den Redner entscheiden zu können. Stimmtrainer kann sich jeder nennen. Letztendlich entscheidet die Expertise, die Erfahrung und die Fach- und persönliche Kompetenz, ob man beruflichen Erfolg hat.“

Soweit das Interview. Die Bachelorarbeit zum Thema ´Relevanz von Stimmtraining in deutschen mittelständischen und großen Wirtschaftsunternehmen´ erscheint Ende Juni und ich bin sehr gespannt, zu welchen Ergebnissen die vier Studentinnen der Logopädie durch die verschiedenen Interviews, die sie geführt haben, kommen werden.

Wenn Sie auch eine Frage an mich haben oder einen Vorschlag für die Bachelorarbeit, dann hinterlassen Sie doch einfach einen Kommentar – wir melden uns!

Ich freue mich darauf!
Eva Loschky

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