Pausen beim Sprechen machen stark

Pausen beim Sprechen machen stark!
Es gibt Menschen, die nichts aus der Bahn zu werfen scheint. Sie verzweifeln nicht, wenn der Spot auf sie fällt und sie ihre Stimme erheben, sondern sie wachsen sogar daran. Was unterscheidet diese Menschen von denjenigen, die mit ihren Stimmauftritten auf den kleinen und großen Bühnen ihres Lebens hadern?
Das Zauberwort lautet „Pause“! Die Pause beim Sprechen ist Quelle der Regeneration und Selbstsicherheit. Haben manche Menschen einfach Glück gehabt, weil ihnen diese hilfreiche Fähigkeit in die Wiege gelegt wurde, oder kann jeder lernen, mit Punkt und Komma zu reden? Die gute Nachricht: jeder kann lernen, Pausen beim Sprechen als zuverlässige Ressource zu nutzen. Auf dass alle hören, was Sie sagen und Sie jeden überzeugen.

Wenn Sie lernen, Pausen zu machen

  • entdecken Sie eine körpereigene Ressource
  • finden Sie die wichtigste Resilienzstrategie Ihres Körpers
  • gewinnen Sie Gelassenheit, Ruhe und (Überzeugungs-)Kraft!
Probieren Sie folgende Übung:
Pfeifen als Übung
Sie setzen sich aufrecht hin und entspannen als erstes Ihren Bauch. Nun pfeifen Sie (egal, ob Sie es können oder nicht) und beobachten dabei sehr genau, was in Ihrem Unterleib passiert: Was zieht sich da ganz von selbst zusammen? Helfen Sie nicht nach, lassen Sie es von allein entstehen! Danach öffnen Sie den Mund und genau die Muskulatur, die sich gerade eben noch beim Pfeifen zusammen gezogen hat, entspannen Sie wieder. Der Atem strömt reflektorisch, lautlos ein – denn Sie haben Ihren Mund leicht geöffnet – und Sie können wieder mit dem nächsten Pfeifen ausatmen. Machen Sie das 10 mal!
Was passiert bei der Pfeifübung?
Sie bilden im Mund für den Ausatem einen Reibungswiderstand zwischen den Lippen. Dadurch machen Sie die Öffnung für den Ausatem sehr klein und setzen auch noch ein Hindernis. Damit man das Pfeifen hören kann, schicken Sie sehr viel Luft nach draußen und automatisch reagiert die richtige Muskulatur. Beim Einatmen entspannen Sie genau diese Muskeln wieder: Ihr Körperraum öffnet sich, Sie finden Ihr Zentrum.
Probieren Sie die gleiche Übung mit dem Wörtchen „ichchchchch“. Ziehen Sie das „ch“ in die Länge und werden Sie dabei immer lauter und intensiver. Beobachten Sie wiederum, was sich in Ihrem Unterleib von selbst zusammenzieht. Genau diese Muskulatur lassen Sie für den anschließenden Einatem wieder los.
Hinweis:
Der Einatem beim Sprechen geht stets durch den Mund, sonst immer durch die Nase!
Beim Pfeifen wird der Ausatem durch Reibung im Mund zum Geräusch umgewandelt, beim Sprechen wird der Ausatem durch Schwingung der Stimmlippen in der Kehle zu Schallwellen, zum Stimmklang umgewandelt. Egal, ob Pfeifen oder Sprechen: der Ausatem zieht unseren Bauch- und Beckenraum zusammen. In der Einatempause während des Sprechens öffnet sich dieser Raum wieder – ein ständiges Wechselspiel! Die Einatempause während des Sprechens ist auf der einen Seite eine Spannungs- und Wirkungspause. Auf der anderen Seite ist sie für den Zuhörer eine Verarbeitungspause, um das Gehörte zu verstehen, sich eine eigene Meinung dazu zu bilden. Für den Sprecher ist diese Pause von elementarer Bedeutung! – Warum?

Pause bedeutet Selbstregulation

Beim Sprechen (=Senden Ihrer Botschaft) schicken Sie mit der Kraft des inneren Raumes, des Muskelnetzes von Beckenboden, Bauch und Zwerchfell Ihre Stimme nach draußen. Mit der Entspannung und Öffnung dieses Raumes für den Einatem in den kleinen Sprechpausen während eines Satzes kehren Sie in Ihre Mitte, zum Ursprung Ihrer Kraft zurück. Diese Pause sollte nach 8 bis 16 Wörtern sein: sind diese „sinnerfassenden Einheiten“ länger als 16 Wörter – so die Kommunikationswissenschaft – schaltet der Zuhörer ab!

Wenn Sie in den Sprechpausen Ihren inneren Raum öffnen, heißt das körpersprachlich:

  • Sie haben einen klaren Standpunkt
  • Sie sind standfest
  • Sie haben Kraft und Sicherheit
  • Sie sind souverän
  • Sie sind offen für Neues
So, wie das Stehaufmännchen die Fähigkeit hat, seine aufrechte Lage aus jeder beliebigen Haltung wieder einzunehmen, führt uns die echte, körperlich ehrliche Pause beim Sprechen stets zu unserem Ursprung zurück:

  • Wenn wir in Atemnot geraten.
  • Wenn wir uns angestrengt und angespannt fühlen.
  • Wenn wir uns versteigen in schwierige Gedanken.
  • Wenn wir in unseren Emotionen gefangen sind.
  • Wenn wir den Kontakt zum Gegenüber verlieren.
„Resilienz, auf deutsch die Widerstandskraft, ist ein Begriff aus der Werkstoffkunde und meint die Fähigkeit eines Werkstoffes, sich verformen zu lassen und trotzdem wieder in seine ursprüngliche Form zurückzufinden“ (Quelle: welt.de vom 26.04.2005). Übertragen auf die Kommunikation heißt das: Sprechen = Ausatem = akustische Sprache = Verformung und Pause = Einatem = Stille = ursprüngliche Form. In diesem Sinne kann tiefgründiges Stimmtraining, welches gleichzeitig eine aufrichtige, von innen kommende Körpersprache lehrt, eine Quelle für Selbstvertrauen, Selbstsicherheit, Souveränität und Kraft sein.
Videopodcast Eva Loschky
Wenn Sie tiefer in das Thema Pause einsteigen wollen, dann schauen Sie meinen kurzen Videopodcast „Was beim Sprechen stark macht!“
Natürlich freue ich mich, wenn Sie ein Seminar von mir besuchen (>>Aktuelles) oder mir Ihre Erfahrung zu diesem Thema mitteilen.

Herzlichen Gruß
Eva Loschky

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