Fragen über Fragen zum Thema Stimme

Blogartikel Interview Stimme
Spätestens seit mein erstes Buch „Gut klingen – gut ankommen, effektives Stimmtraining mit der Loschky-Methode®“ erschienen ist, werden mir als Stimmexpertin in den verschiedensten Medien Fragen gestellt, angefangen von „Haben Sie 6 Tipps für eine sexy Stimme?“ (Glamour) bis hin zu „Wie wichtig ist die Stimme für den Erfolg?“ (Süddeutsche Zeitung).
Ich denke mir, dass die Fragen auch Sie interessieren könnten und werde deshalb ab und zu einen Blogartikel mit häufig gestellten Fragen für Sie veröffentlichen. Heute nehme ich Fragen, die mir Joachim Hilbert für einen Artikel in seinem Online Magazin für Psychologie, Philosophie und Persönlichkeit stellte.

1. Inwieweit ist unsere Stimme ein Erkennungsmerkmal und lässt Rückschlüsse auf die Persönlichkeit des Gesprächspartners zu?

Unsere Stimme ist stets ein  – unbewusster –  Spiegel der Persönlichkeit, vermittelt immer parasprachliche Botschaften und gibt uns Einblick in das Innenleben unseres Gesprächspartners – ob er das will oder nicht! Wir erkennen an der Stimme und an der Sprechweise, ob es jemandem gut oder schlecht geht, ob er ärgerlich oder freudig ist, traurig oder munter. Sie wissen sofort, wie es der Freundin, dem Freund geht, wenn er sich am Telefon meldet. Die Stimme verrät unsere Emotionen, auch wenn unsere Worte das Gegenteil ausdrücken. Und das ist gut so! Denn wie arm wäre die Welt, wenn es nur „Pokerfaces“ gäbe – stimmen Sie mir zu?
Der „Voiceprint“ ist sicherer als der Fingerprint und hat deshalb in der Kriminalistik einen hohen Ermittlungswert. Zu der Stimme kommt die einzigartige Art und Weise, wie wir sprechen – unsere schwer nachzuahmende Sprechweise, unser Markenzeichen.

2. In welchem Ausmaß beeinträchtigt die Stimme unsere Kommunikation?

Wenn wir sprechen, reagiert unser Gesprächspartner unbewusst immer körperlich auf unsere Stimme: Im schlechten Fall stellen sich ihm die Nackenhaare hoch, wenn er eine z.B. gepresste oder zu laute Stimme mit gleichzeitigem Sprechen ohne Punkt und Komma hört. Er geht in eine Abwehrhaltung und hört ungern oder gar nicht zu. Der Inhalt unserer Worte wird dadurch stark geschwächt oder bleibt sogar ganz auf der Strecke. Wir können nicht überzeugen. Beim Hören einer warmen sympathischen Stimme und einer Sprechweise mit den richtigen Pausen entspannt sich hingegen der Zuhörer und hört der Botschaft der Worte gerne zu. Dann erreicht der Inhalt des Gesagten den Zuhörer leicht, d.h. alle hören, was wir sagen, wir werden wahrgenommen und können mit dem, was wir sagen, überzeugen (wenn die Botschaft unserer Worte, d.h. unser Inhalt klar in Worte gefasst und auf den Punkt gebracht ist).

Die Stimme ist deshalb ein großer Erfolgsfaktor in der Kommunikation oder – anders ausgedrückt – der Schlüssel zu einer erfolgreichen Kommunikation.

3. Welche Möglichkeiten gibt es, der Stimme mehr Ausdruck zu verleihen?

Beachten Sie diese goldene Regeln und Sie gewinnen an Stimmausdruck: Sprechen Sie wie ein Italiener, denn Lebendigkeit schafft Energie und Stimmklang! Wenn zwei Italiener in einer Bar sich wild gestikulierend die letzten Ereignisse erzählen, dann hören Sie kraftvolle wohlklingende Stimmen. Steht ein Sprecher dagegen unbewegt, steif, mit hochgezogenen Schultern vor seinem Publikum, bleibt auch seine Stimme farblos und klangarm. Wenn Sie sich jedoch trauen, zu gestikulieren, mit Händen und Füßen, eben wie ein Italiener zu sprechen, dann kommt Energie in Ihre Stimme, Lebendigkeit in Ihr Sprechen. Sie begeistern!

4. Welchen Nutzen kann ich aus einem individuellen Stimmtraining ziehen?

Der Nutzen eines Stimmtrainings ist immens. Zum einen erkennen Sie die Stärken Ihrer Stimme, Ihrer Sprechweise, Ihrer Inhalte und Ihrer Körpersprache – denn all das ist Gegenstand eines ganzheitlichen Trainings – und gewinnen dadurch Selbstbewusstsein. Zum anderen entdecken Sie die Momente, wodurch Sie Ihre Botschaften schwächen, sodass Sie nicht gehört werden und nicht überzeugen können. Sie öffnen z.B. beim Sprechen den Mund nicht weit genug, machen keine Pausen, Ihre Körpersprache ist inkongruent zum Gesagten und vieles mehr. Wenn Sie dafür Achtsamkeit entwickeln und alltagstaugliche Tools an die Hand bekommen, können Sie Stimme, Sprechweise und Körpersprache so optimieren, dass die Botschaft Ihrer Worte so unterstützt wird, dass andere Menschen Ihren Worten leicht folgen können und Ihnen gerne zuhören. Durch ein gutes Stimmtraining gewinnen Sie Redesicherheit, Auftrittsstärke und Überzeugungskraft. Sie fühlen sich gelassen und wohl auch dann, wenn alle Augen auf Sie gerichtet sind!

5. Wie kamen Sie zu Ihrer Berufung als Stimmtrainerin?

Ich habe Stimme von der Pike auf gelernt. Als Jugendliche war ich als vollkommen unbefangene Solistin hochwillkommen bei den Kirchenmusikern in meiner Region. Nach dem Abitur studierte ich klassischen Gesang an der Hochschule der Künste in Berlin. Man stellt sich vor, dass so ein Studium hilft, das Potenzial zu entfalten. Bei mir war es genau andersherum: mein Potenzial schrumpfte in dem Maße, wie ich große Opernpartien erlernte. Ich wurde befangen, fehlerorientiert, verlor mein Selbstbewusstsein und meine Ausstrahlung. Die Stimmtechnik, die ich erlernte, war für mich kontraproduktiv – nur, das wusste ich damals nicht. Es kam, wie es kommen musste: Stimmbandknötchen – Operation – die Lust am Singen war weg.
Aber gottseidank war im gleichen Haus die Max-Reinhard-Schauspielschule. Ich wurde aufgenommen und hatte gleich im 1. Semester ein Engagement als Performerin für die Uraufführung des Stückes „Die Maulwerke“. Das Stück schlug ein wie eine Bombe und ich war 2 Jahre mit dem Stück in Europa unterwegs, Centre Pompidou in Paris, BBC Studios London usw. Andere Stücke folgten. Das Fantastische war die Arbeit mit dem Regisseur Achim Freyer: er hat die Gabe, bei jedem Menschen auf der Bühne, vom Bühnenhandwerker bis zu uns Solisten, die Stärken zu entdecken und zu stärken (lange bevor man das im Coaching entdeckte). Ich wurde dadurch so gestärkt, dass ich noch heute genau weiß, was mich auf der Bühne auszeichnet: Präsenz, Energie, Lebendigkeit. Jede Zelle von mir saugte nach dem Desaster des steifen Gesangstudiums diese Arbeit auf – davon profitiere ich heute noch als Rednerin auf der Bühne und meine Teilnehmer im Seminar oder im Coaching.
Später wurde ich Logopädin, arbeitete an der Poliklinik für Stimm- und Sprachkranke an der Uniklinik Berlin, beriet Menschen mit Stimmproblemen, war bei OPs dabei usw. Ich machte mich Ende der 80er Jahre selbständig und hatte ab da auch immer Lehraufträge. Den ersten an der Hochschule der Künste in Berlin, Stimmbildung für Sänger und Instrumentalisten. Lehraufträge an den Hochschulen Rostock, Bayreuth und Fulda folgten. 2005 erschien mein erstes Buch, ich verabschiedete mich aus dem Gesundheitswesen vollständig und bin seitdem als Vortragsrednerin, Seminarleiterin und Coach frei buchbar, immer zum Thema Stimme und Sprechen, Rede und Präsentation.

6. Ihre Frage

Welche Frage hätten Sie mir wohl gestellt? Was möchten Sie von mir wissen? Stellen Sie mir die Frage im Kommentar oder per >>Mail und ich werde Ihnen antworten! Wenn Sie jetzt schon lesen, hören oder sehen wollen, welche Fragen die „Presse“ stellt, dann besuchen Sie das >>Medienarchiv!

Ich freue mich auf Ihre Frage!
Herzlichen Gruß
Eva Loschky

P.S. Das ganze Interview von Joachim Hilbert zum Thema „Die menschliche Stimme ist Spiegel der Persönlichkeit“ finden Sie >>hier

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