Adrenalin – das bessere Schmerzmittel?

Adrenalin, das bessere Schmerzmittel?

Eine Eigenstudie zum Thema „Stressmanagement“

Ich bin ein Mensch, der – Gott sei Dank – über eine gute Gesundheit verfügt. Das war nicht immer so: als Kind hatte ich drei schwere Krankheiten zu meistern, aus denen ich eine gute Portion Bewusstsein und Achtung meiner Selbst mitgenommen habe. Ich wusste stets, wann ich meinen Rückzug brauchte, wann die langen Bahnen im Schwimmbad von Nöten waren, wann Gesellschaft mich anstrengte, wann sie mich inspirierte. Ich nahm mir die Freiheit, auf mich zu hören, mir zu folgen. Und nutzte die Chance, dass ich seit 1987 meine eigene Chefin bin, die überaus verständnisvoll reagiert.
Dann veränderte sich meine Chefin plötzlich: Sie wurde streng, rücksichtslos, Überstunden waren an der Tagesordnung, Privates stand hinten an. Der Satz „Reiß Dich zusammen und mach‘ das jetzt noch schnell fertig!“ stand immer öfter im Raum. Nun, kein Problem, dachte ich, ich habe es ja lange Zeit recht gemütlich gehabt. Ich spuckte in die Hände und packte an, spuckte noch mehr in die Hände, packte noch mehr an usw. Ein Projekt allein genügte nicht, viele mussten es sein!
Erfolg – na, aber hallo!
Und ich wurde belohnt: meine Arbeit, mein Engagement trugen Früchte. Die Chefin in mir atmete tief durch und trieb mich noch mehr an! Sie gestattete mir zwar den wohl verdienten Urlaub: drei Wochen Kerala – Faulsein, Nichtstun, Handy zu Hause, fast kein Email-Check, Schwimmen, Schlafen, Träumen, Zeit… Womit ich nicht gerechnet hatte: Kerala war wunderschön! Mich hielt es nicht auf dem Liegestuhl – Reisen, Erleben, Wandern, Menschen, Kontakte, schon wieder Aktivität pur!
Und? War der Urlaub schön? Und wie! Doch was war passiert? Kaum tauchte ich in den Alltag ein, erwischte mich eine Erkältung, die sich gewaschen hatte. Ich bekam Schnupfen, der mir das Denken vernebelte, einen Husten, der mir die Stimme nahm, Fieber, welches mir meine Energie saugte. Doch Sie kennen ja bereits meine inzwischen unerbittliche Chefin: “ Versprochen ist versprochen, was gemacht werden muss, wird gemacht. Trink’ heiße Zitrone, Ingwertee, heiße Kartoffelwickel, das wirkt bestimmt!“
Gott sei Dank: Adrenalin macht fit!
Tatsächlich konnte ich alle Veranstaltungen durchführen, denn das Stresshormon Adrenalin half. Es vermittelt eine Herzfrequenzsteigerung, einen Blutdruckanstieg, eine Bronchiolenerweiterung und eine schnelle Energiebereitstellung durch Fettabbau (Lipolyse) – kurz: es stellt im wichtigen Moment Energiereserven parat! Doch kaum war die Veranstaltung vorbei, sank der Adrenalinspiegel wieder und das Elend kehrte zurück. Und Sie kennen ja meine Chefin bereits!
Unglaublich – aber wahr! Ich, die lehrt, wie man punktgenau in Topform ist, wie man Präsenz auf Knopfdruck herstellt und Herzblut zeigt, wie man „saftvoll“ in seiner eigenen Kraft bleibt, tappte in die Falle des Erfolges und überhörte meine inneren Stimmen, die mir stets laut zuriefen, was ich brauchte! Da hieß es nun, selbst die Reißleine zu ziehen!
So weit meine „Eigenstudie“, die ein paar Jahre zurückliegt und mir noch sehr präsent ist. „Stress souverän meistern“ ist und bleibt ein stets aktuelles Thema – für mich und die meisten anderen.

Stressmanagement – wie geht das?

Sympathikus versus Parasympathikus
Die Aktivität des N. Sympathikus bewirkt eine Leistungssteigerung des Organismus. Er versetzt den Körper in hohe Leistungsbereitschaft und bereitet ihn auf Angriff, Flucht oder andere außergewöhnliche Anstrengungen vor. Große Alltagsaktivität, vollbrachte Leistungen, Stress und Emotionen aktivieren den Sympathikus zusätzlich stark. Ein stets aktiver Mensch überfrachtet den Sympathikus. Ein nicht mehr enden wollender Aktivitätsdrang entsteht. Die Ausschüttung von Adrenalin unterstützt notfalls Energielöcher im entscheidenden Moment. Um kraftvoll und gesund zu bleiben, müssen Sie den N. Parasympathikus, der für Erholung, Entspannung und für den Aufbau von Energie verantwortlich ist, bewusst unterstützen. Der Parasympathikus wird auch als „Ruhenerv“ bezeichnet, da er der Regeneration und dem Aufbau körpereigener Reserven dient und für Entspannung und Erholung sorgt. Stressmanagement bedeutet: beide Nervensysteme müssen sich die Waagschale halten.

Wie geht das?
Der Sympathicus ist in der Regel durch unser Tagesgeschäft überbeansprucht, hyperaktiv. Seine Waagschale trägt viel Gewicht, sie hängt tief. Die Schale des Parasympathikus ist nahezu leer und hängt weit oben – ein Ungleichgewicht. Was sie jetzt brauchen, sind Mittel und Wege, die beide Schalen ins Gleichgewicht bringen. Erst dann können Sie sich erholen, regenerieren.

So bringen Sie die Waage ins Lot
Sie kommen nach einem harten Arbeitstag spät nach Hause und denken: „Was Kleines essen, ein Gläschen dazu, Fernseher an, Beine hoch, entspannen – das ist Erholung, dann schlafe ich gut“. Leider liegen Sie damit falsch, denn Fernsehen, Lesen, ins Kino gehen etc. bedeutet weiterhin Sympathicusaktivität.

Was also tun?
Sie geben – bevor Sie in den Freizeitmodus schalten – dem Sympathikus über körperliche Bewegung (schneller Spaziergang, Sport, Sauna etc.) einen aktiven, vor allem einen körperlichen Impuls, um dann anschließend – und das ist von zentraler Bedeutung – mind. 10 besser 20 Minuten zu ruhen: Eieruhr stellen, hinlegen, Beine hoch, Augen zu (nichts lesen, nichts hören, keinerlei Impulse wie Musik – definitiv nichts!). Und so bleiben Sie, bis das Wecksignal klingelt. Sie werden überrascht sein, wie die Gedanken in Ihrem Kopf toben, wie kleine Äffchen, die im Gehege hin- und herrennen!

Was passiert während des Ruhens?
In dem Moment des Ruhens nach der Bewegung wird der Parasympathikus, unser Entspannungs- und Ruhenerv, aktiv und füllt seine Schale. Die Schalen kommen ins Gleichgewicht. Das bedeutet: Regeneration, Auftanken und Rückkehr zur Fülle. Diesen Moment des Ruhens übergehen wir sehr gerne. Denn wir fühlen uns frisch und gestärkt nach der Bewegung, sind sehr stolz auf uns – und: weiter geht’s. Das heißt, wir beschleunigen das Hamsterrad selbst und es dreht sich noch schneller! Das Leid vieler! Burnout trotz Freizeit!

„Echtes“ Nichtstun heißt das Zauberwort
Sie wissen nun, was ich immer wieder probiere zu tun und womit ich energiegeladen und fit bleibe? Und Sie? Was ist Ihr persönlicher Regenerationsplan? Was tun Sie und zwar ab sofort? Ich freue mich über Ihre Erfahrungen, Anregungen und auf Ihren Kommentar!

Herzlichen Gruß
Eva Loschky

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1 Kommentar. Neuen hinterlassen

Liebe Eva,
ich genieße deinen neuen Blog, habe die Info gleich meiner Tochter gesendet und ich hoffe wir sehen uns bald wider. Danke und dir schöne Zeit von Petra

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